„Mein Sprachkind“

(von Friederike Bärhold, 11)

„Sprache Verbindet“ ist ein Projekt des Rotary Clubs Dortmund, das aufgrund seines Erfolgs in anderen Städten nun auch hier vor Ort eingeführt wurde. Bei dem Projekt geht es darum, Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund die deutsche Sprache beizu­bringen.
Die Familien, die Interesse an der sprachlichen Be­treuung ihrer Kinder haben, können sich beim Rota­ry Club Dortmund für Sprache Verbindet anmelden und werden an „Sprachscouts“ weitervermittelt. Diese ,,Sprachscouts“ werden regelmäßig durch die Teilnah­me an Seminaren ausgebildet. Sie werden den Fami­lien zugeteilt und besuchen diese regelmäßig, je nach Bedarf 1-2mal die Woche für eine Stunde.
Die Arbeit besteht hauptsächlich aus Spielen. Das Lernen passiert ganz nebenbei und die Kinder ha­ben auch viel mehr Spaß daran, wenn die Tücken der deutschen Sprache in Spielen verpackt erlernt wer­den. Einfache Kinderspiele, wie z.B. ,,Ich sehe was, was du nicht siehst“ oder das Vorlesen von Kinder­büchern sind ideal, um den Wortschatz des Kindes zu erweitern und ein Gefühl für Sprache zu entwickeln. Natürlich müssen die Spiele dem Alter und Können des Kindes entsprechen (meist zwischen 5 und 10 Jahren), manchmal ist es auch sinnvoll Aufgaben zu stellen, die gerade in der Schule durchgenommen werden. Es sollte sich aber nicht ausschließlich um Nachhilfe handeln, sondern mit anderen Aktivitäten verknüpft werden.
Über die Arbeit mit den „Sprachkindern hinaus kön­nen Sprachscouts auch Ausflüge unternehmen, deren Kosten die betreuende Person vom Rotary Club, der ,,Pate“, übernimmt. Beliebte und Bewährte Ausflugs­ziele sind u.a. der Dortmunder Zoo, die DASA oder einfach ein großer Spielplatz mit vielen Dingen zum entdecken.
Die Sprachscouts erhalten für ihre Arbeit 8 Euro pro Stunde, davon bezahlen die Familien nur die Hälfte, der Rest wird vom Rotary Club gezahlt. Dadurch wer­den die Familien finanziell entlastet. Außerdem sol­len möglichst viele Eltern aus anderen Ländern dazu bewegt werden, ihren Kindern Hilfe durch „Sprache Verbindet“ zu gewährleisten, damit sie mit ihren bes­seren Sprachkenntnissen in der Lage sind, sich in Deutschland zurechtzufinden. **** Wie jeden Donnerstag gehe ich direkt nach der Schu­le zu einer marokkanischen Familie nach Hause. Der sechsjährige Junge, wegen dem ich hier bin, spricht vom Vokabular her schon ganz gut deutsch. Nur ein paar gravierende Grammatikfehler baut er noch gerne in seine Sätze mit ein.
Als ich ankomme, sitzen alle noch beim Essen, ich weiß aber, dass ich mich einfach dazusetzten kann. Das habe ich über die marokkanische Kultur schon gelernt: Wer Gast ist, der soll sich wie Zuhause fühlen und muss nicht fragen, wenn er etwas will, sondern kann es sich einfach nehmen.
Nachdem ich mich noch ein bisschen mit den El­tern unterhalten habe, können wir loslegen. Mit der Pünktlichkeit darf man es hier nicht allzu genau neh­men, was scheinbar auch ein Merkmal der für mich fremden Kultur ist.
Mein „Sprachkind“ und ich gehen in das Kinderzim­mer, das sich die drei ( und ein ganz kleiner) Söhne des Hauses teilen. Ich schließe die Tür, damit wir nicht gestört werden.
Das Kind ist wie immer neugierig, was ich in meiner Tasche mitgebracht habe. Es ist schon fast so etwas wie Tradition, dass ich ein Buch, ein Spiel und eine Meistens machen wir die Übung zuerst, als Beloh­nung darf er sich aussuchen, was wir danach machen. Es fällt Mohammed sehr schwer, sich über einen län­geren Zeitraum. zu konzentrieren, deswegen habe ich ihm. zum. Geburtstag einen Vorschulblock geschenkt, in dem. es viele verschiedene Konzentrationsübungen gibt. Jedes Mal, wenn ich da bin, bearbeiten wir eine Seite daraus.
Ich habe mich bereits so auf den kleinen Jungen ein­gerichtet, dass ich rn.ir selber kleine Spiele zu gramma­tischen Konstruktionen ausdenke, die nicht länger als 5-10 Minuten dauern. So wird es nicht zu schwer für ihn, sich darauf zu konzentrieren.
Wenn die Stunde um. ist, oder wir schon alles gern.acht haben und noch ein bisschen Zeit übrig ist, unterhal­ten wir uns noch. Es ist sehr wichtig, dass er von sich aus erzählt, denn so übt er, selbstständig deutsche Sät -ze zu bilden und etwas sinnvoll wiederzugeben. Seine älteren Brüder sprechen zwar hauptsächlich deutsch, aber die Eltern reden viel Marokkanisch. Damit der Kleine also auch ein Gefühl für die deutsche Sprache entwickeln kann, nehme ich rn.ir irn.rn.er etwas Zeit da­für. Ein gutes Spiel ist z.B. auch das Ausdenken von Geschichten. Wir haben einmal Bildkarten rn.it einbezogen und die abgebildeten Begriffe in die Geschichte eingebaut.
Solche kleinen Dinge helfen schon und bereiten uns beiden ganz nebenbei viel Spaß.
Ich bin sehr froh, dass ich mich für diesen Job be­worben habe, nicht des Geldes wegen, sondern weil ich jeden Donnerstag nach einer Stunde „Arbeit“ rn.it einem. breiten Lächeln auf dem. Gesicht nach Hause gehe.
Ich weiß jedoch auch von Fällen, wo die Zusammen­arbeit von Familie und Sprachscout nicht funktioniert hat. Meistens erwarten die Eltern, dass sich die schuli­schen Leistungen ihrer Kinder über Nacht verbessern. Es ist aber gar nicht das Ziel von „Sprache Verbindet“, Kindern Nachhilfe zu geben. Vielmehr ist es die Auf­gabe der Sprachscouts, also auch meine Aufgabe, den Kindern die Grundlage allen Lernens zu vermitteln, nämlich Sprache, damit sie später sich selbst helfen können.
Es macht mich einfach glücklich, dass ich nur durch das Spielen rn.it einem. Kind etwas bewirken kann. Und wenn es so einfach für uns ist, zu helfen, dann sollten wir diese Hilfe nicht verweigern.