Es kann wieder losgehen.

Iserlohn. (rd) „Endlich kann es wieder losgehen!“ Jürgen Schwerter, Projektleiter des integrativen Förderprojekts „Sprache verbindet“, das der Rotary Club Iserlohn-Waldstadt seit vielen Jahren so erfolgreich für Flüchtlings- und Migrationskinder organisiert, beendet seine mehrmonatige Corona-Zwangspause. Zum neuerlichen Auftakt kamen dazu etwa 30 Leiter und Leiterinnen der Iserlohner Kindergärten, Grundschulen, Gesundheitsamt usw. zu einem Meinungsaustausch am 23. Juni im Hotel Vierjahreszeiten zusammen. „Unsere junge Klientel ist die am meisten von den Corona-Maßnahmen betroffene“, betone Jürgen Schwerter, der auch stellvertretender Vorsitzender der Kinderlobby in Iserlohn ist. Die zahlreichen Erfahrungsberichte aus Schulen und Kindergärten ließen ebenso schnell wie übereinstimmend erkennen, dass das Engagement von „Sprache verbindet“ heute nötiger denn je ist. Ullrich Römer, Leiter der Südschule, benannte die wesentlichsten Probleme: „Die Kinder, die jetzt wieder in die Schule zurückkehren, wirken gehemmt und weniger spontan. Die Konzentrationsfähigkeiten haben auffallend nachgelassen. Zugleich aber sind die Kinder richtig froh, endlich wieder im Klassen- oder Gruppenverband lernen zu können. Ebenso sind sie auch auffallend kuschelig und kontaktfreudig gegenüber den Erziehern und Lehrern. Eines ist ganz klar: Ihre Seelen haben vielfältig spürbar gelitten.“

Monika Körner-Weinert, Vorsitzende der Kinderlobby, ergänzte dazu unmittelbar: „Viele Kinder sind übergewichtig und haben wesentliche Bestandteile ihrer Motorik verloren. Dafür zeigen sie Abhängigkeiten von Medienkonsum bis hin zu regelrechtem Suchtverhalten.“

Dass nicht zuletzt auch die Sprachkompetenz der Migrationskinder dramatisch zurückgegangen ist, wurden von allen Pädagogen gleichermaßen festgestellt. Der Iserlohner Kinderarzt Dr. Reimund Schnitzler urteilte aus seiner täglichen Praxiserfahrung unmissverständlich: „Die Sprachentwicklung der Kinder ist regelrecht zurückgefallen; es ist schlicht eine einzige Katastrophe. Ähnliches habe ich in den 22 Jahren meiner Berufserfahrung als Arzt noch nicht erlebt.“

Gerade an dieser Defizitstelle setzt „Sprache verbindet“ nun erneut mit seinen derzeit etwa 80 Scouts in Form der spielerischen Sprachfördertung wieder an. „Unsere Scouts – in aller Regel Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler der Iserlohner Gymnasien – werden –  natürlich unter strikter Einhaltung der geltenden Hygieneregeln – wieder die Familien der Flüchtlinge und Migranten besuchen und stundenweise mit den Kinder im Vorschul- und Grundschulalter Zeit mit Spielen und Sprechen verbringen. Sie sind dabei in erster Line eine Art ältere Freunde und nicht etwa kleine Lehrer“, so Jürgen Schwerter vom Rotary Club Iserlohn-Waldstadt. Pünktlich zum Neustart von „Sprache verbindet“ wurde ein frischer Flyer aufgelegt, der in zehn verschiedenen Sprachen das Förderprojekt erklärend bewirbt. Unter www.sprache-verbindet.de ist ab sofort auch wieder eine Anmeldung zur Teilnahme an „Sprache verbindet“ möglich.

(Autor: Andreas Thiemann)

 

Machen sich erneut für das Integrationsprojekt der Rotary Clubs Iserlohn-Waldstadt stark: Projektleiter Jürgen Schwerter, Monika Körner-Weinert (Vorsitzende der Iserlohner Kinderlobby, Ulrich Römer (Leiter der Südschule) und der Kinderarzt Dr. Reimund Schnitzler. (Foto: Andreas Thiemann)
Jürgen Schwerter (Rotary Club Iserlohn-Waldstadt) begrüßte im Hotel Vierjahreszeiten Leiterinnen und Leiter von Kindergärten Kitas und Grundschulen zum Meinungsaustausch und um für das integrative Förderprojekt „Sprache verbindet“ des Rotary Clubs Iserlohn-Waldstadt zu werben. Foto: Andreas Thiemann